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Einführung und Neuerungen

openSUSE Leap 16.0: Ein Sprung in eine neue Ära! 🚀

OpenSUSE Leap 16.0, das lang erwartete Update, ist offiziell am 1. Oktober 2025 erschienen [2, 13, 16, 22, 26, 27, 32]. Nach sieben Jahren der 15.x-Serie markiert diese Version einen bedeutenden Wandel in der Architektur und den Kernkomponenten der Distribution. Es kombiniert weiterhin aktuelle Anwendungen mit einem stabilen Systemkern, der von der Enterprise-Distribution SUSE Linux Enterprise (SLES) abgeleitet ist [2, 13, 16, 22, 24, 26, 32, 44].

Die Basis: Evolution statt Revolution (aber mit vielen Neuerungen!) 🧬

Ursprünglich gab es Spekulationen, dass Leap zu einem "Immutable System" oder containerbasierten System werden könnte, ähnlich Fedora Silverblue oder openSUSE Aeon. Doch die Entwickler haben einen pragmatischen Mittelweg gefunden: Leap 16.0 bleibt eine klassische Distribution mit traditioneller Paketverwaltung (RPM und Zypper) [2, 9, 15, 23, 24]. Es basiert auf SUSE Linux Enterprise 16 und dem neuen SUSE Linux Framework One (SLFO), das zuvor als Adaptable Linux Platform (ALP) bekannt war [10, 11, 13, 15, 19, 22, 24, 26]. Diese enge Anlehnung an SLES 16 gewährleistet weiterhin Quell- und Binärkompatibilität, was einen nahtlosen Übergang zu SLES ermöglicht, falls kommerzieller Support benötigt wird [7, 13, 16, 17, 22, 24].

Wichtige Eckdaten zu Leap 16.0:

Merkmal Beschreibung Quelle(n)
Release Datum 1. Oktober 2025 [2, 13, 16, 22, 26, 27, 32]
Support-Zyklus 24 Monate Community-Support pro Minor-Release; jährliche Minor-Releases bis 2031 (Leap 16.6) [3, 6, 7, 13, 14, 16, 17, 22, 24, 26, 32, 42]. Nachfolger (Leap 17) für 2032 geplant [6, 7, 13, 16, 22, 24].
SLES-Basis SUSE Linux Enterprise 16 (SLFO / ehemals ALP) [10, 11, 13, 15, 19, 22, 24, 26, 32, 48]
32-Bit-Support Standardmäßig deaktiviert, kann manuell aktiviert werden (z.B. für Steam oder Wine) [3, 4, 6, 7, 9, 13, 14, 17, 19, 22, 24, 26, 35]. Der Kernel selbst unterstützt 32-Bit-Binärdateien nicht mehr statisch verlinkt [14, 17, 24].
Hardware-Anf. x86-64-v2 Mikroarchitektur oder höher (CPUs ab ca. 2008/2009) [3, 6, 7, 11, 13, 14, 17, 19, 22, 24, 26, 35, 48]. Ältere Geräte sollten auf Slowroll oder Tumbleweed ausweichen [3, 7, 13, 22].
Wayland-Fokus Ausschließlich Wayland-Varianten für Desktop-Umgebungen im Installer; Xorg-basierte Umgebungen können manuell nachinstalliert werden [9, 10, 14, 15, 17, 24].
Kernel Linux 6.12 LTS [3, 7, 10, 11, 16, 22, 24, 26].
Dateisystem /tmp Nutzt tmpfs, nicht mehr persistent zwischen Reboots [14, 17, 26].
Root-Login SSH Standardmäßig nur per Schlüssel, nicht per Passwort [14, 17, 23, 26].
Python-Strategie /usr/bin/python3 auf Python 3.13 [14, 17, 24, 26]. Zukünftig ist eine Aktualisierung auf neuere Versionen geplant, die mit der Legacy-Version koexistieren sollen [14, 17].

Installation: Agama löst YaST ab! 🌐

Die wohl prominenteste Neuerung ist der Abschied vom altbewährten YaST-Installer. Stattdessen setzt openSUSE Leap 16.0 auf den neuen, webbasierten Agama Installer [2, 3, 4, 7, 9, 10, 11, 13, 15, 16, 19, 22, 24, 26, 32].

Unterschiede zur 15.x-Reihe:

  • YaST vs. Agama: Wo YaST ein umfassendes, natives Konfigurations-Frontend war, trennt Agama die Benutzeroberfläche vollständig von den internen Komponenten und ermöglicht sogar die Installation über eine Weboberfläche im Browser [4, 7, 9, 13, 23, 24, 26]. Tester bezeichnen die grafische Oberfläche als modern, aber teilweise überladen und weniger intuitiv als das frühere YaST-Setup [4]. Das Beenden einer Installation ist hier manchmal nur über die Kommandozeile möglich [4].
  • Empfehlung zur Neuinstallation: Die Entwickler raten, für Leap 16.0 eine Neuinstallation vorzunehmen, um den Agama-Installer vollständig zu testen und mögliche Probleme beim Upgrade von 15.x zu vermeiden [9, 10, 11, 15]. Ein openSUSE Migration Tool wird jedoch angeboten, um den Übergang von Leap 15.6 zu Leap 16 oder anderen openSUSE-Varianten (Tumbleweed, Slowroll, SLES) zu erleichtern [3, 6, 7, 11, 13, 17, 23, 30, 32, 38].
  • Desktop-Umgebungen im Installer: Leap 16.0 bietet im Installer ausschließlich Wayland-Varianten der Desktop-Umgebungen an (KDE Plasma 6.4, GNOME 48, Xfce 4.20) [3, 7, 8, 9, 10, 13, 16, 17, 19, 22, 24, 26]. Xorg-basierte Umgebungen können manuell nach der Installation hinzugefügt werden [14, 17]. Im Gegensatz dazu boten Leap 15.x Versionen oft X11 als Standard und eine breitere Auswahl direkt im Installer [36, 45, 46].
  • Partitionierung: Der Installer schlägt standardmäßig ein Btrfs-Dateisystem mit Subvolumes vor (für /boot, /var, /root, /home etc.) [23]. Manuelle Partitionierungsoptionen sind zwar vorhanden, können aber unintuitiv sein [23]. Frühere YaST-Partitionierer wurden oft für ihre Weltklasse-Funktionalität gelobt, die nun dem neuen Installer zum Opfer fiel [23].
  • Netzwerkkonfiguration: Aktuell erlaubt die UI des Agama-Installers nicht, unkonfigurierte Netzwerkgeräte über die grafische Oberfläche einzurichten, was in Beta-Versionen ein Problem darstellte [14, 17]. Dies kann über Dracut-ähnliche Kommandozeilenoptionen umgangen werden [17].

Konfiguration & Bedienung: Neue Tools, neue Standards 🛠️

Auch nach der Installation gibt es tiefgreifende Änderungen in der Systemverwaltung und im Software-Management.

System- und Softwareverwaltung:

  • Abschied von YaST (teilweise): YaST ist als allgemeines Konfigurations-Frontend nicht mehr vorinstalliert, obwohl es noch in den Repositories verfügbar sein kann [2, 4, 9, 11, 14, 15, 17, 23, 24, 48].
    • Cockpit: Für die allgemeine Systemverwaltung (insbesondere Remote-Administration) tritt Cockpit an die Stelle von YaST [2, 4, 10, 11, 17, 23, 24, 32, 48]. Es bietet eine webbasierte Oberfläche und wird als zeitgemäßer Nachfolger betrachtet [2, 4, 16]. Leap 15.6 hatte Cockpit bereits als Neuzugang übernommen, wo es YaST ergänzte [36, 45].
    • Myrlyn: Für die reine Softwareverwaltung wurde Myrlyn eingeführt, ein Qt-basiertes Frontend für die ZYpp-Paketverwaltung [3, 7, 9, 10, 11, 15, 24]. Es soll YaSTs Aufgaben bei der Installation und Verwaltung von Software übernehmen und optisch an die YaST-Paketverwaltung erinnern, aber ohne deren Altlasten [9, 15]. In Beta-Phasen wurde kritisiert, dass Myrlyn ein Root-Passwort verlangte, selbst wenn ohne Root-Account installiert wurde, was noch behoben werden musste [15].
  • Paketverwaltung (Zypper): Der Paketmanager Zypper wurde verbessert und unterstützt nun parallele Downloads von Paketen und Metadaten, was Installations- und Aktualisierungszeiten erheblich verkürzt [3, 4, 7, 11, 13, 16, 17, 22, 24, 26, 32]. Interne Tests zeigten eine deutliche Beschleunigung, z.B. von 68,7 auf 13,1 Sekunden für 250 Pakete [24, 26]. Das ist mal 'ne Ansage! 🚀
  • Repositories: Die ehemals oft verwirrende Anzahl von Haupt- und Update-Repositories wurde gestrafft. Leap 16.0 verwendet im Wesentlichen nur noch ein einziges Repository (repo-oss), das sowohl Community- als auch SLES-Pakete und deren Updates enthält, aufgeteilt pro Architektur [3, 11, 13, 14, 16, 17, 23, 24, 26, 32].
  • Fehlende Anwendungen: Einige beliebte Programme wie Rawtherapee, Darktable, Eclipse, Virtualbox und FreeCAD fehlen im Standardumfang, was auf den Mangel an freiwilligen Helfern und die schmalere Basis der von der Enterprise-Sparte beigesteuerten Pakete zurückzuführen ist [2, 23]. Für diese wird oft die Installation via Flatpak empfohlen [2, 17, 23, 35]. Das zentrale Flatpak-Repository Flathub bietet fast alle Linux-Anwendungen an und lässt sich einfach aktivieren [2].

Desktop und Sicherheit:

  • Desktop-Umgebungen: openSUSE Leap 16.0 liefert aktuelle Versionen von Desktop-Umgebungen aus [3, 7, 10, 13, 16, 19, 22, 24, 26]:
    • KDE Plasma 6.4: Die neueste Major-Version [3, 7, 13, 16, 22, 24, 26].
    • GNOME 48: Ebenfalls die aktuelle Version [3, 7, 8, 10, 11, 13, 16, 19, 22, 24, 26].
    • Xfce 4.20: Als experimentelle Wayland-kompatible Variante [3, 7, 9, 13, 14, 16, 17, 22, 24, 26].
    • Xorg-Server wurde entfernt; X11-Anwendungen laufen über XWayland [9, 14, 15, 17]. Frühere Leap-Versionen, wie 15.6, setzten bei KDE Plasma noch auf Version 5.27.11 LTS und X11 als Standard [36, 45, 46].
  • Sound-Server: PipeWire ersetzt PulseAudio als Standard-Medienserver [14, 17, 23, 24, 26]. Wer von älteren Versionen aktualisiert, sollte automatisch migriert werden [14, 17].
  • Sicherheit (SELinux statt AppArmor): Leap 16.0 wird standardmäßig mit SELinux als Linux-Sicherheitsmodul (LSM) ausgeliefert, was die Systemsicherheit und Prozessisolierung stärkt [3, 4, 7, 9, 11, 13, 14, 15, 16, 17, 22, 23, 24, 26]. AppArmor bleibt als optionale Funktion nach der Installation verfügbar [3, 4, 7, 9, 11, 13, 14, 15, 16, 17, 22, 23, 24, 26]. Bei manueller Migration von 15.6 kann AppArmor beibehalten werden [14, 17].

Fazit: Mutiger Schritt nach vorne! 🌟

openSUSE Leap 16.0 ist definitiv ein großer Schritt nach vorne und bricht mit einigen Traditionen, um sich an moderne Enterprise-Distributionen anzupassen. Die Neuerungen in der Installation mit Agama und der Systemverwaltung mit Cockpit/Myrlyn sind tiefgreifend und erfordern eine gewisse Umstellung, besonders für langjährige YaST-Nutzer. Die deutliche Ausrichtung auf Wayland und SELinux sowie die verbesserte Paketverwaltung zeigen den Willen, ein modernes und leistungsfähiges System zu bieten.

Für bestehende Nutzer der 15.x-Reihe bedeutet das, sich auf signifikante Änderungen einzustellen. Auch wenn einige liebgewonnene Werkzeuge entfallen oder ersetzt werden, bietet Leap 16.0 eine solide und zukunftsfähige Basis. Es bleibt spannend zu sehen, wie die Community diese Neuerungen aufnimmt!